Sonntag, 7. September 2014

Ein Jahr, 5 Monate und 5 Tage kleinste Fee

Oh mein kleinstes Herz,

wo soll ich denn nur anfangen? Seit meinem letzten Brief an dich, da hat sich so viel verändert, so vieles haben wir gemeinsam erlebt und jeder Tag ist ein Geschenk. Wenn auch manchmal ein ganz schön anstrengendes.

So viel ist klar. Du bist herzwärmend. Ein Kuschelkind, wie ich es nie zuvor erlebt habe. Du gibst so viel, forderst aber gleichzeitig auch ein und bist ein Charakterkind, mit eigenem Willen, Durchsetzungsvermögen und Witz. Einzigartig.

So klein wie du noch bist, was du willst- oder auch nicht- das weißt du ganz genau. Im Moment willst du ganz viel Mama. Wenn ich gehe, dann weinst du, willst mit. Manchmal muss ich dich austricksen, dann geht es. Aber verabschieden kann ich mich nicht, dann geht sofort deine immense Sirene an und du lässt dich schwer wieder beruhigen. Einzig die Mittwochsoma hat diese Probleme mit dir nicht.
Was gut ist, denn mir geht es nicht gut, wenn ich dich so weinend zurücklassen muss, weil ich z.B. zur Arbeit muss.

Hatten wir es vor einigen Wochen schon mal geschafft, dass ich zum Einschlafen nicht unmittelbar neben dir sein musste, sondern mich bis zur Tür entfernen durfte, sind wir dank mehrfach einschiessender Zähne wieder bei Null angelangt. Es ist mir aber ehrlich gesagt egal, dass das so ist.

Wenn wir da Abends so im Bett liegen und du mir tausend Küsse gibst, mein Gesicht und meine Arme streichelst- wie könnte ich mich an der Türe stehend wohler fühlen? Du bist warm und weich und kuschelig. Was will ich denn anderes? In meiner Nähe schläfst du viel ruhiger ein, auch wenn du manchmal noch ein bisschen wuseln und meckern musst. Das sehe ich aber als Fehleinschätzung deines Müdigkeitslevels meinerseits, denn wenn du wirklich müde bist, dann schläfst du binnen weniger Minuten ein und gut ists. Leider wachst du Nachts immer noch mehrfach auf, was vermutlich auch mit den Zähnchen zusammen hängt. Somit sind meine Nächte nicht sehr erholsam im Moment. Und die von deinem Papa auch nicht, der wird dank Babyfon immer gleich mit wach.
Dann liege ich zwischen dir und deiner Schwester in eurem Bett und warte, dass du ruhig wirst und wieder einschläfst. Damit tust du dich leider auch schwer. Habe ich es geschafft, mich raus zu schleichen, ist eine kleine Weile ruhe- bis du irgendwann merkst, dass ich weg bin. Heute Nacht gleich 3 Mal, bis ich dich mit in unser Bett genommen habe. So oder so- irgendwann wird das besser werden. Und bis es soweit ist, werde ich geduldig mit dir sein.

Seit gut zwei Monaten kannst du laufen- erst noch ganz tapsig, inzwischen immer sicherer. Auch, wenn du ein wenig aussiehst, als hätte man dir das Pferd geklaut- John Wayne Style, wackelst du O-Beinig durchs Leben. Zauberhaft ist das.
Du kletterst auf alles, was auch nur irgendwie die Möglichkeit dazu bietest- bringst mich damit beinahe täglich an den Rand eines Herzinfarktes. Du rutschst alleine die kleine Rutsche im Garten herunter und wenn ich nicht aufpasse, sitzt du im Katzenkratzbaum. Oder auf dem Tisch. Oder sonstwo, wo du nichts zu suchen hast. Dann brüllst du laut und triumphierend: Maaaaaaamaaaa, weil du ganz genau weißt, dass du das nicht sollst.

Mama ist bisher weiterhin das einzige "richtige" Wort. Und Mama ist alles- deine große Schwester, dein Papa, deine Milch. Mama, Mama, Mama. Du kannst auch Papa. Aber du sagst es nie zu IHM. Und Oma geht auch, das klingt dann mehr wie Mmmmmaaaaaa.
Davon abgesehen brabbelst du den ganzen lieben langen Tag in deiner niedlichen Babysprache vor dich hin, mit wechselnden Betonungen, verschiedenen Stimmlagen, mal fragend, mal fordernd, mal völlig aufgeregt, mal still vor dich hin.
Auch wenn du noch nicht viel sagen kannst- verstehen kannst du schon so ziemlich alles. Und wenn du etwas nicht möchtest, kannst du wunderbar den Kopf schütteln. :)

Du liebst deine Bilderbücher sehr, bist ganz aufgeregt, wenn du bei der Seite mit den Tieren angekommen bist. Da deutest du auf jedes Tier und willst es benannt haben.
Tiere findest du super spannend und flippst total aus, wenn uns eins begegnet. Unser Kater ist ein Highlight, wenn er sich mal dazu herablässt, von dir gestreichelt zu werden.

Kleiner Sonnenschein, es gäbe noch so viel über dich zu erzählen. Darüber, wie glücklich du uns alle machst und wie du uns den letzten Nerv raubst. Drüber, wie sehr du deine große Schwester liebst, sie umarmst, knuddelst und küsst. Dein Freitagsopa meint, an dir sei ein Junge verloren gegangen. Ich glaube, du bist ein mutiges Mädchen. Eins, dass sich nicht darum scheren wird, was Mädchen oder Jungs eigentlich tun oder sollen, eins, das macht, was es möchte, das Leben in vollen Zügen genießen wird und im Jetzt lebt. Das finde ich ganz großartig und ich hoffe, das wird dir bleiben. Ich mag dich, genau so, wie du bist. Für nichts in der Welt tausche ich dich um oder geb dich wieder her.

Deine Mama




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