Samstag, 27. Juli 2013

Wie machst du das nur?

Diese Frage stellt man mir in letzter Zeit sehr, sehr oft.
Ich weiß, dass es hier im Blog oft den Anschein erweckt, das mir alles super easy von der Hand geht und das auch noch ohne großen Stress und mit zwei kleinen Kindern daheim, von denen eins noch ein Säugling ist und das andere eine trotzende dreijährige kleine Fee. Da wird genäht, fotografiert, gebastelt und dann stellt sie auch noch solche Mottogeburtstage auf die Beine.

Ich sag euch jetzt mal, wie ich das mache. Wir sind zum Glück eine tolle Familie, die nicht nur aus uns vieren besteht, sondern zu der noch drei Oma-Opa Paare gehören, sowie unglaublich tolle Paten und Freunde. Zudem verbringt die kleine Fee den Vormittag im Kindergarten, was mir auch ein wenig Luft verschafft und ich kann beruhigt sein, weil sie dort so gern hingeht und die Erzieherinnen sich liebevoll kümmern.
Ohne all diese Menschen wäre unser Leben gar nicht so möglich, wie es im Moment ist. Wir werden hier oft und gern entlastet, die Omas und Opas gehen spazieren, fahren an den Badesee und haben feste Wochentage, an denen zumindest mal die kleine Fee dort zu Besuch ist. Zwischendurch kommt es auch immer wieder dazu, dass spontan jemand einspringt, damit ich stressfrei einkaufen kann oder eine Minnie- Maus Torte mit der Feenpatentante machen kann- die auch hoch schwanger nicht den geringsten Einwand hatte, sich mit mir vier Stunden in die Küche zu stellen.
Ich bin nicht allein hier, sondern habe ein unfassbar tolles Netzwerk und bin auch nicht zu stolz, um Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche. Aber wenn es mal nicht klappt, dann ist das auch kein Beinbruch und dann wird eben anders disponiert. Nie im Leben kann ich das vergelten, was ich von all unseren Lieben beinahe tagtäglich bekomme: Die beste Unterstützung, die ich mir wünschen kann.

Oft frage ich mich, was für eine Mama ich wohl wäre, wenn da nicht der Herr Schatz wäre, der am Abend die kleine Fee ins Bett bringt, wenn die kleinste Fee nicht gleich einschlafen möchte. Wenn ich nicht zwischendurch mal eine Atempause hätte. Wäre ich ebenso glücklich, zufrieden und ausgeglichen, wenn ich NICHT die Möglichkeit hätte, manchmal ohne meine Kinder zu sein, die ich über alles liebe? Könnte ich ihnen diese Liebe auch so zeigen, wie es nun der Fall ist?
Wäre ich eine dieser Mütter, die beim geringsten Anlass herumschreien? Würde ich immer nur sagen: Ich hab jetzt keine Zeit, du nervst, geh spielen?

Heute zum Beispiel war die kleinste Fee fast den ganzen Tag bei Oma und Opa- so konnten wir mal ein bisschen exklusive Zeit mit der kleinen Fee verbringen, die über Nacht beim anderen Opa und der anderen Oma war- was uns ein wenig mehr Schlaf heute morgen verschafft hat. Heute Nachmittag haben wir ein kleines Familienschläfchen gehalten und sind im Anschluss spazieren gegangen und haben ein sehr leckeres Eis gegessen. Es tat mir gut, noch mal voll auf die kleine Fee einzugehen, ohne ständig unterbrochen zu werden. Es war toll, eine Mahlzeit von Anfang bis zum Ende genießen zu können, ohne aufstehen oder stillen zu müssen. (Auch wenn ich in Gedanken natürlich oft bei der kleinsten Fee war und sie vermisst habe, keine Frage! Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie wieder zurück war und wir wieder komplett.)

Wer hat denn so was schon? Ich weiß ganz genau, wie besonders das ist und bin jeden und jeden Tag dankbar, das es so ist. Viele Mütter müssen ganz allein ihren Haushalt, die Arbeit und die Kindererziehung stemmen und ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde. Vermutlich müsste es irgendwie gehen, denn dann bleibt ja keine andere Wahl. Und dann denke ich wieder an das große "aber". Wie wäre ICH dann wohl? Vermutlich nicht der Mensch, die Mutter, die ich gern sein möchte und jetzt bin. Sicher, ich bin auch hin und wieder mal genervt und wahrscheinlich auch schon mal ungerecht. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Ein gutes Netzwerk ist aber nicht alles, wenn es auch den größten Teil ausmacht. Der Rest besteht aus straffer Selbstorganisation und Flexibilität.

Ich schreibe mir an jedem Montag eine To Do Liste, mit den Aufträgen, die ich unter der Woche zu erledigen habe. Auf diese Liste schreibe ich auch die Dinge, an die ich denken muss, z.B. dass ein Kindergeburtstag anstand, oder dass die kleine Fee ihr Laufrad am Freitag im Kindergarten brauchte.
Ich plane, wann und wo ich einkaufen gehe, damit ich möglichst effizient und zeitsparend alles auf einmal erledigen kann. So ein Maxi- Cosi ständig ein- und auszuladen ist nämlich sehr nervig. Das Baby im Auto zu lassen dagegen ist keine Option. Also mache ich Monatseinkäufe, bei denen ich die meisten Dinge kaufe, die wir garantiert brauchen werden (dabei gehe ich dann zwei- bis drei Mal hintereinander in den selben Markt, weil nicht alles in den Einkaufswagen passt) und gehe nicht jeden Tag frisch im Supermarkt einkaufen. Eher so einmal in der Woche. Wenn ich wegen der Rückbildungsgymnastik eh im Ort bin, plane ich davor oder danach die Drogerie, die Apotheke, den Metzger, Gemüsehändler, die Post ein, damit ich den Weg nicht doppelt gehen muss.
Oft sitze ich bis kurz vor Mitternacht an der Nähmaschine oder dem Rechner und arbeite, weil es über Tag aus verschiedensten Gründen nicht ging.
Manchmal ist das auch anstrengend, so ein Tag von sechs Uhr morgens bis Mitternacht ohne richtige Pause. Immer unter Strom und immer in Bewegung. Und die Nacht dann noch mit Unterbrechungen, wie das mit Baby eben so ist.
Aber ich jammere nicht, weil es genau das Leben ist, das ich wollte. So habe ich es mir ausgesucht. Es macht mir Spaß und ich hätte die Wahl, einfach nur Mama zu sein, ohne meine Jobs, die ich so liebe, weil sie mich ausgeglichen machen.

SO mache ich das. Keine Ahnung, ob jemand mit mir tauschen wollen würde. ICH würde um nichts in der Welt ein anderes Leben führen wollen. Wirklich nicht.

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